Otosklerose

Otosklerose

Otosklerose – Erkrankung der Labyrinthkapsel im Innenohr

Eine Otosklerose tritt im Innen- und Mittelohr auf. Es handelt sich dabei um einen entzündungsähnlichen Umbauprozess, bei dem das Gehörknöchelchen Steigbügel fixiert wird. Dieser ist neben Hammer und Amboss dazu zuständig, Schall über den Hörnerv ans Gehirn zu leiten.

Bei der Otosklerose verknöchert die normalerweise elastische Aufhängung des Steigbügels, weshalb der Schall nur noch unzureichend weitergeleitet werden kann. Diese Erkrankung entwickelt sich langsam und schubweise. Betroffene Personen werden schwerhörig und es kann bis hin zur Taubheit führen. Es kommt zu einer Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeit. Schon lange bevor Symptome auftreten kommt es zu den Verknöcherungen. Von einer Otosklerose sind mehr Frauen als Männer betroffen.

Vorwiegend tritt diese Erkrankung zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf. Von etwa 100.000 Personen haben 12 eine Otosklerose. Bei 40% der Betroffenen ist es auffällig, dass sich diese Erkrankung familiär häuft. Bei 70% sind beide Gehörgänge betroffen.

Ursachen und Auslöser der Otosklerose

Die auslösenden Faktoren sind bislang nicht bekannt. Aufgrund der geweblichen Veränderungen kann allerdings auf verschiedene Risikofaktoren geschlossen werden. Die Otosklerose tritt ausschließlich im Mittel- und Innenohr auf und beginnt vermehrt an einer bestimmten Stelle. Gewebe und Knochen wachsen aufgrund entzündungsähnlicher Vorgänge.

Dabei wird die Fußplatte des Steigbügels befestigt, weshalb diese nicht mehr ausreichend beweglich ist, um Schall an die Flüssigkeit im Innenohr weiterzuleiten. Diese Veränderungen treten in seltenen Fällen im knöchernen Labyrinth auf. Verschiedene Auslöser werden bei der Suche nach den Ursachen diskutiert. Mediziner vermuten, dass das Masernvirus in Zusammenhang zu den entzündungsähnlichen Veränderungen stehen könnte. Oftmals wurden bei betroffenen Patienten Antikörper des Virus in der Innenohrflüssigkeit gefunden.

Eine weitere Möglichkeit sind autoimmunologische Vorgänge. Da Otosklerose oftmals vermehrt in einer Familie auftritt kann auch eine genetische Ursache denkbar sein. Sind die Eltern betroffen, so besteht für deren Kinder eine 20 prozentige Chance, an Otosklerose zu erkranken. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Viele der betroffenen Frauen bemerken erste Anzeichen der Otosklerose während einer Schwangerschaft oder aufgrund von hormonellen Verhütungsmitteln. Dies lässt auf hormonelle Ursachen schließen.

Symptome und Beschwerden bei auftretender Otosklerose

Bei einer Otosklerose kommt es zur schubweisen Verschlechterung des Hörvermögens. Manche Patienten sprechen von hörsturzähnlichen Symptomen, wie Ohrgeräusche und in seltenen Fällen Schwindel. Oftmals verbessert sich die Hörkraft zu Beginn wieder. Es kommt in den meisten Fällen zu einer beidseitigen Otosklerose. Viele der betroffenen Frauen klagten bereits bei einer Schwangerschaft über vermindertes Hörvermögen.

Gerade zu Beginn der Krankheit ist es schwer eine Otosklerose nachzuweisen, weil noch keine Schädigungen an Trommelfell und Mittelohr erkenntlich sind. In sehr seltenen Fällen kann der HNO-Arzt den sogenannten Schwarzt-Herd durch das Trommelfell erkennen. Durch Überprüfung des Stapediusreflex kann eine krankhafte Veränderung erkannt werden. Um die Stärke der Schwerhörigkeit zu ermitteln führt der HNO-Arzt eine Stimmgabelprüfung und einen Hörtest durch.

Oft wird dadurch eine Schallleitungsschwerhörigkeit diagnostiziert. Diese tritt auf, wenn über Gehörgang, Trommelfell, Mittelohr und Innenohr weniger gehört wird als über Knochenvibration. Tritt eine reine Innenohrschwerhörigkeit auf kommt es zu einem schlechteren Sprachverständnis beim Sprachaudiogramm. Zur Diagnose der Otosklerose sind diese Untersuchungsmethoden hilfreich: Beim Röntgen können die anatomischen Begebenheiten und ein eventueller Entzündungsherd der Ohrregion erkannt werden. Ähnliche Ergebnisse liefert die Computertomographie. Auch hier werden anatomische Veränderungen und Entzündungsherde erkannt. Um einen aktiven Entzündungsherd diagnostizierennn zu können eignet sich die Tympano-Cochleäre-Szintigraphie. Des weiteren führt der HNO-Arzt eine Gleichgewichtsprüfung durch.

Therapie und Behandlung bei Otosklerose

Die erfolgreichste Therapiemethode ist die Operation. Eine nichtoperative und erfolgversprechende Methode gibt es bislang nicht. Dieser Eingriff wird hauptsächlich unter Lokalanästhesie durchgeführt. Veränderungen des Hörvermögens können somit sofort erkannt und falls nötig korrigiert werden. Der Arzt macht einen kleinen Schnitt im Gehörgang, um diesen zu erweitern. Danach wird das Trommelfell durch einen Schnitt gelöst und vor geklappt. Dadurch sind Amboss und Steigbügel sichtbar. Bei der klassischen Stapedektomie wird der angewachsene Steigbügel und ein Teil seiner Fußplatte entfernt.

Der Steigbügel wird dann von einer Platin-Kunststoffprothese ersetzt. Somit kann der Schall wieder ungehindert an die Flüssigkeit im Innenohr über die Gehörknöchelchen übertragen werden. Nach diesem Eingriff ist eine Woche Krankenhausaufenthalt unumgänglich. Weiterhin ist der Patient für etwa zwei weitere Wochen arbeitsunfähig. Eine ähnliche Operationsmethode ist die Stapedotomie. Bei dieser bleibt die Fußplatte des Steigbügels bestehen und es werden lediglich die Schenkel entfernt. Anschließend wird in den Fuß des Steigbügels ein kleines Loch gebohrt. In dieses Loch wird eine Platin-Teflon-Prothese eingeführt, welche am Amboss befestigt wird. Diese Methode ist mittlerweile der Stapedektomie vorgezogen, da bei der Stapedotomie weniger Komplikationen auftreten. In seltenen Fällen ist keine Operation möglich. Dann muss der Patient ein Hörgerät tragen.

Durch die Operation kann in 90 % aller Fälle die Schallleitungsschwerhörigkeit verbessert oder beseitigt werden. In wenigen Fällen kommt es nach der Operation zu einer Verschlechterung des Hörvermögens. Bei etwa 20% der Otosklerose-Patienten kommt es zu postoperativen Schwindel. Es besteht die Möglichkeit, dass die Prothese verrutscht und eine erneute Operation nötig wird. Je jünger der Patient beim Auftreten der Otosklerose ist, desto schwieriger ist der Verlauf.

Wird keine Operation durchgeführt, so kommt es nach einiger Zeit zur vollkommenen Taubheit. Die Erfolgsaussichten der Operation sind am größten, wenn der Unterschied zwischen Knochen- und Luftleitung mehr als 20dB beträgt. Erst ab dieser Schallleitungskomponente ist der Unterschied so groß, dass der Patient eine deutliche Besserung des Hörvermögens wahrnimmt. Der Otosklerose kann nicht vorgebeugt werden.

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Autoren & Experte:
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. Hermann Eichstädt, Berlin. Facharzt Innere Medizin & Kardiologie, Lebenszeitprofessor i.R. der Charité Berlin. Geschäftsführender Vorstand der Berlin- brandenburgischen Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen e.V.
Journalist: Horst K. Berghäuser
Heilpraktiker: Felix Teske

Literatur, Quellen und Verweise:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin
Thieme Verlag
Praktische Labordiagnostik - Lehrbuch zur Laboratoriumsmedizin, klinischen Chemie und Hämatologie
Grönemeyers Buch der Gesundheit
Hallesche Krankenversicherung

Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 18.03.2019 statt.


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