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Harninkontinenz

Harninkontinenz

Harninkontinenz – Die unangenehme Erkrankung der Harnblase

Unter Harninkontinenz versteht man die Unfähigkeit, Urin in der Harnblase zu behalten. Der unwillkürliche Verlust von Harn ist für die Betroffenen eine schwere psychische Belastung. Viele von ihnen gehen aus Scham nicht zum Arzt, dabei gibt es gute Möglichkeiten, den Weg aus der Harninkontinenz einzuschlagen. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten. Frauen sind deutlich häufiger davon betroffen, als Männer, insbesondere mit steigendem Alter steigt auch die Zahl der Betroffenen. Modernste Methoden zur Diagnostik und zur Therapie stehen mittlerweile zur Verfügung. Mit deren Hilfe ist Harninkontinenz entweder heilbar, oder können zumindest die Beschwerden dahingehend gelindert werden, dass eine normale Lebensführung wieder ermöglicht werden kann. Diese Tatsache ist jedoch nur wenigen Betroffenen bekannt. Rund 20% aller harninkontinenten Frauen suchen keinen Arzt auf. Von den 45%, die sich dazu überwinden können berichten rund 60%, dass ihnen durch geholfen werden konnte. Dies allein sollte Grund genug sein, den Weg in die Arztpraxis zu wagen. In der Medizin sind verschiedene Formen von Harninkontinenz bekannt. Diese sind im Einzelnen:

  • Dranginkontinenz
  • Stressinkontinenz
  • Überlaufinkontinenz
  • Reflexinkontinenz
  • Extraurethrale Inkontinenz

Die Ursachen für Harninkontinenz sind also genau so vielfältig, wie die Erkrankung selbst. Insbesondere die psychische Belastung spielt bei den Betroffenen eine zentrale Rolle. Viele schotten sich ab, fühlen sich nicht sauber und schämen sich.

Verschiedene Formen der Harninkontinenz – verschiedene Ursachen

Da es verschiedene Formen von Harninkontinenz gibt, gestalten sich auch die Ursachen unterschiedlich. Wir möchten Ihnen in die Ursachenpalette der einzelnen Formen eine kleine Übersicht gewähren.

– Dranginkontinenz Hier wird noch einmal zwischen zwei Arten unterschieden. Die Mediziner sprechen entweder von sensorischer Dranginkontinenz, oder von motorischer Dranginkontinenz. Die Ursache für eine Dranginkontinenz liegt im körperlichen Bereich. Entzündungen der unteren Harnwege, aber auch neurologische Erkrankungen, wie z.B. Multiple Sklerose können Dranginkontinenz verursachen. Bei Männern kann eine vergrößerte Prostata, bzw. ein gut-, oder bösartiger Tumor darin die Ursache dafür sein, den Urin nicht halten zu können. Für die sensorische Dranginkontinenz werden häufig auftretende Blasenentzündungen verantwortlich gemacht. Auch Blasensteine stehen auf der Liste der Ursachen. Wie der Name schon vermuten lässt, liegt hier eine Überempfindlichkeit der Rezeptoren, die dem Gehirn mitteilen, wie voll die Blase ist. So wird dem Gehirn eine mehr oder minder falsche Mitteilung übermittelt, woraufhin sich die Blasenmuskulatur zusammenzieht. Die Signale, die zwischen Gehirn und Blase ausgetauscht werden, sind willentlich nicht kontrollierbar. Dies führt dazu, immer wieder kleine Mengen an Urin zu verlieren. Meist sind es nur einige Tropfen, dafür geschieht dies relativ häufig. Bei der motorischen Inkontinenz liegt die Ursache in der Regel im neurologischen Bereich. Die Signale, die Blase und Gehirn miteinander austauschen, können nicht gehemmt werden. Die Folge ist die unwillkürliche Entleerung der Blase. Verantwortlich dafür sind die Kontraktionen der Detrusor, ein spezieller Muskel, dessen Aufgabe die Entleerung der Blase ist. Da diese Kontraktionen nicht zu unterdrücken sind, müssen die Betroffenen sofort eine Toilette aufsuchen. Der Drang, Harn ablassen zu müssen ist groß. Als Ursache für die motorische Dranginkontinenz werden neurologische Erkrankungen, wie Schlaganfall, Multiple Sklerose, Parkinson, oder auch als Folge von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Auch Alzheimer kann für eine motorische Dranginkontinenz verantwortlich sein.

– Stressinkontinenz (Belastungsinkontinenz) Dies ist die am häufigsten diagnostizierte Art von Harninkontinenz bei Frauen. Die Ursache liegt darin, dass hier der Harnblasenverschluss geschwächt ist, meist infolge einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur. Bei Belastung, wie Niesen, Heben, Husten, oder auch Lachen wird der Verschluss regelrecht überfordert. Die Beckenbodenmuskulatur kann durch Schwangerschaft, Bindegewebsschwäche und nach natürlichen Geburten geschwächt werden. Mit zunehmendem Alter tritt diese Art von Harninkontinenz bei Frauen häufiger auf.

– Überlaufinkontinenz Diese Art der Harninkontinenz ist vor allem bei Männern sehr häufig. Die Ursache ist in der Vergrößerung der Prostata zu suchen. Meist führt eine solche Vergrößerung der Prostata zu einer Verengung der Harnröhre. Als weitere Ursache kann eine dauerhafte Überdehnung der Blase genannt werden. Hier verliert die Blase ihre natürliche Kontraktionsfähigkeit, wodurch die Überlaufinkontinenz entsteht. Angeborene Fehlbildungen, Steine und Engstellen in der Harnröhre sind bei Frauen wie bei Männer als Ursache für die Überlaufinkontinenz zu nennen.

– Reflexinkontinenz Eine Reflexinkontinenz entsteht meist nach Erkrankungen des Gehirns, oder des Rückenmarks. Wenn die Nervenbahnen unterbrochen wurden, kann die Erkrankung besonders häufig auftreten. Auch bei dieser Form von Harninkontinenz unterscheidet man in der Medizin zwischen zwei Arten, wobei die Ursachen auch dementsprechend unterschiedlich ausfallen. Man spricht zum einen von einer spinalen Reflexinkontinenz, und von einer supraspinalen Reflexinkontinenz. Die Hauptursache für eine spinale Reflexinkontinenz ist in der Regel eine neurologische Erkrankung, wie z.B. Multiple Sklerose, oder eine Querschnittverletzung. Die Patienten verspüren keinen Harndrang, trotz gefüllter Blase, denn die Nervenbahnen, die für diese Signale verantwortlich sind, unterbrochen sind. Die Blasenmuskulatur kann nicht mehr willentlich kontrolliert werden, es kommt zum ungewollten Urinverlust. Die Ursachen der supraspinalen Reflexinkontinenz liegen in Erkrankungen, wie Demenz, Alzheimer, Parkinson, oder Hirnleistungsverlust nach einem Schlaganfall. Meist geht in diesen Fällen die Fähigkeit verloren, über die Blasenmuskulatur die Kontrolle behalten zu können. Auch hier kommt es zu ungewolltem Urinverlust, wobei häufig kein Harndrang zuvor verspürt wurde.

– Extraurethrale Inkontinenz Dies ist eine besondere Form der Harninkontinenz. Diese Form der Erkrankung entsteht durch Urinfisteln. Der Harn wird dabei nicht aus der Harnröhre „verloren“, sondern im Körper durch die Fisteln. Urinfisteln sind röhrenförmige Verbindungen zwischen Harnröhre und Geschlechtsorganen. Bei der     Extraurethrale Inkontinenz wird der Schließmuskel der Harnröhre komplett umgangen, was zur Folge hat, dass hier ständig Urin abgegeben wird, und zwar in gleichbleibender Menge. Mit einem chirurgischen Eingriff kann man die Fisteln entfernen und so die Inkontinenz beheben.

Moderne Diagnostik bei Harninkontinenz

Für die Diagnose spielt die Befragung der Patienten durch den Facharzt eine zentrale Rolle. Durch das Gespräch werden der Schweregrad und die Form der Harninkontinenz bestimmt. Ein Inkontinenz-Tagebuch zu führen vor dem Arztbesuch wäre also sinnvoll. Darin sollte vermerkt werden, in etwa wie viel Urin verloren geht, und in welchen Abständen. Erwähnung sollte auch finden, ob der Harnverlust mit Belastungen einhergeht. Um eine Diagnose zu untermauern sind nach der Befragung auch einige körperliche Untersuchungen notwendig. Frauen werden gynäkologisch untersucht. Bei Männern werden die Prostata und der Enddarm durch Tasten untersucht. Des Weiteren stehen Urin- und Blutuntersuchungen, sowie eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege auf der Liste. Mit der Ultraschalluntersuchung können nicht nur die Harnwege sichtbar gemacht werden, sondern kann mithilfe dieser Untersuchung auch die Restharnmenge bestimmt werden. In einigen Fällen können auch eine Blasenspiegelung, oder weitere bildgebende Untersuchungen erforderlich sein.

Die Therapiemöglichkeiten hängen in erster Linie von der diagnostizierten Form der Harninkontinenz ab. Stressinkontinenz lässt sich häufig mit Beckenbodengymnastik, mit einer Hormontherapie, oder in einigen Fällen durch eine Operation beheben. Bei den anderen Formen der Harninkontinenz können Medikamente helfen. Auch ein Toilettentraining zeigt sich in sehr vielen Fällen als überaus hilfreich. Hilfsmittel, wie Slipeinlagen helfen dabei, den Alltag möglichst problemlos zu gestalten. Bei der Extraurethrale Inkontinenz hilft jedoch nur eine Operation. Diese ist ein relativ kleiner Eingriff, die Genesung dauert nur wenige Wochen. Selbstverständlich gilt auch hier: Liegt der Harninkontinenz eine andere Erkrankung zugrunde, so gilt es, die Grunderkrankung zuerst zu behandeln.

Harninkontinenz vorbeugen – so kann es funktionieren

Harninkontinenz kann man zwar nicht gezielt vorbeugen, doch man kann die Entstehung in vielen Fällen hinauszögern. Ändern Sie Ihr Trinkverhalten, indem Sie vor dem Schlafengehen nichts mehr trinken. Gehen Sie vor dem Zubettgehen noch mal zur Toilette und entleeren Sie Ihre Blase vollständig. Dies ist möglich, indem Sie auf der Toilette aufrecht sitzen. Beim Sitzen in vorgebeugter Haltung wird die Blase nicht vollständig geleert! Es ist wichtig, dass insbesondere Frauen ihre Beckenbodenmuskulatur trainieren. Die Schwäche dieser Muskulatur ist häufig die Ursache für Harninkontinenz.

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Autoren & Experte:
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. Hermann Eichstädt, Berlin. Facharzt Innere Medizin & Kardiologie, Lebenszeitprofessor i.R. der Charité Berlin. Geschäftsführender Vorstand der Berlin- brandenburgischen Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen e.V.
Journalist: Horst K. Berghäuser
Heilpraktiker: Felix Teske

Literatur, Quellen und Verweise:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin
Thieme Verlag
Praktische Labordiagnostik - Lehrbuch zur Laboratoriumsmedizin, klinischen Chemie und Hämatologie
Grönemeyers Buch der Gesundheit
Hallesche Krankenversicherung

Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 18.03.2019 statt.


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