Adipositas

Adipositas

Adipositas – Übergewicht und Fettleibigkeit mit drastischen Auswirkungen

Adipositas oder Fettleibigkeit ist eine chronische Krankheit, die sich in der ersten Welt seit vielen Jahren kontinuierlich ausbreitet. In Deutschland haben laut durchgeführter Studien mehr als 60% der Erwachsenen ein vom gesundheitlichen Standpunkt aus bedenkliches Gewicht. Von Adipositas-Erkrankung spricht man, wenn sich im Körper Fettgewebe in übermäßigem Ausmaß, verursacht durch ein Übermaß an zugeführter Energie, vor allem durch fettreiche Ernährung, ansammelt. Fettleibigkeit hat drastische Auswirkung auf die Lebenserwartung und die Lebensqualität der Betroffenen.

Die Adipositas kann unterschiedliche, krankhafte Ursachen haben

Doch nicht nur ein Zuviel an Nährstoffen, insbesondere Fett, verursacht eine Adipositas. Auch genetische und seelische Faktoren, Falschernährung, Bewegungsmangel und Essstörungen können zur Fettleibigkeit führen. Gerade was die genetische Veranlagung betrifft, sind für den Ausbruch der Erkrankung die äußeren Faktoren entscheidend. Eine Erbanlage ist erst einmal eine Disposition, das heißt, es sind die Grundvoraussetzungen gegeben, dass eine bestimmte Krankheit ausbricht. Ob es jedoch tatsächlich zu der Erkrankung kommt, hängt von einem äußeren Einfluss ab.

Im Fall der Fettleibigkeit heißt das, dass jemand, der erblich vielleicht mit einer Veranlagung belastet ist, aber sein Leben lang eine ausgewogene Ernährung zu sich nimmt und Sport treibt, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erkranken wird. Es gibt jedoch auch Erkrankungen und Medikamente, die als Folgeerscheinung eine Adipositas auslösen können. Dazu gehören unter anderem Schilddrüsenunterfunktion, das Cushing-Syndrom (Störungen des Kortison-Gleichgewichtes) und verschiedene Antidepressiva und Antidiabetika.

Welche Symptome bringt Adipositas in der Regel mit sich?

Fettleibigkeit beeinträchtigt die Lebensqualität durch eine Vielzahl von körperlichen Beschwerden und Folgeerkrankungen. Das Herz-Kreislaussystem reagiert mit Atemnot und Kurzatmigkeit im Schlaf, sowie Anfällen von Schlafapnoe, das sind länger andauernde Atemstillstände während der Schlafphasen. Die Belastbarkeit des Erkrankten sinkt und er ermüdet schnell. Kreuzschmerzen und Kniebeschwerden resultieren ebenfalls aus dem Übergewicht, da das Skelett überlastet wird und die Gelenke sich durch die Überlastung schneller abnutzen.

Im seelischen Bereich machen Minderwertigkeitskomplexe den Erkrankten zu schaffen. Eine weitere Folgeerkrankung der Adipositas ist das metabolische Syndrom, eine Kombination verschiedenen Symptomen, nämlich Übergewicht, gestörte Glukosetoleranz bis zum Typ-2-Diabetes (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck und hohe Blutfettwerte. Folge des metabolischen Syndroms sind ein hohes Arteriosklerose-Risiko und ein um das dreifache erhöhtes Herzinfarktrisiko.

So wird Adipositas beim Facharzt diagnostiziert

Um eine Adipositas zu diagnostizieren, ist der BMI, der sogenannte Body-Maß-Index ein hilfreiches Instrument. Der BMI legt Kennzahlen fest, die mittels der Division des Gewichts durch die Körpergröße im Quadrat berechnet werden. Das Ergebnis wird in kg/m² ausgedrückt. Je nach ermitteltem Wert wird nach Normal-, Übergewicht oder Adipositas unterteilt. Von Fettleibigkeit spricht man, wenn der BMI einen Wert von 30 kg/m² erreicht hat, bzw. diesen überschreitet. Ein weiterer Maßstab zur Beurteilung der Adipositas ist die sogenannte Fettverteilung. Je nach dem wie das Fett am Körper angeordnet ist unterscheidet man zwischen weiblichem und männlichem Fettverteilungstyp. Beim weiblichen Typ, der so genannten „Birnenform“ sitzt das Fett in erster Linie an Hüfte und Oberschenkel, beim bei der männlichen „Apfelform“ ist das Fett am Stamm bzw. am Bauch angesetzt.

Der männliche Typ der Fettleibigkeit birgt ein wesentlich höheres Risiko für Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems als die weibliche „Birnenform“. Jeder kann selbst die Verantwortung für sich übernehmen und darauf achten, eine Adipositas zu vermeiden. Übergewichtige Menschen sollten ihren Taillenumfang beobachten. Bei Männern sollte der Umfang 94cm, bei Frauen 80cm keinesfalls überschreiten. Ab einem BMI von 25 sollte man auf sein Gewicht achten. Liegt der BMI zwischen 25 und 29 spricht man von einer Präadipositas. Ab einem Wert von 30 ist man in der Gefahrenzone der Fettleibigkeit und muss sich auf jeden Fall darum bemühen, Gewicht zu reduzieren.

Therapie von Adipositas: Diese Maßnahmen können helfen

Um eine Adipositas zu heilen, gibt es laut Empfehlung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft nur eine wirksame Therapie, nämlich die dauerhafte Umstellung des Ernährungs- und Bewegungsmusters bzw. der Lebensgewohnheiten. Im ersten Schritt muss das Problem des Übergewichtes erkannt und akzeptiert werden. In den weiteren Schritten ist eine Diätberatung erforderlich, in der eine für den Betroffenen geeignete Reduktionsdiät ausgearbeitet wird. Um die Essgewohnheiten dauerhaft zu ändern, wird mit Hilfe einer Verhaltenstherapie das Hunger- und Sättigungsgefühl neu verknüpft, Stress wird abgebaut und die Gefahr von Essstörungen wird minimiert. Ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie ist regelmäßige körperliche Bewegung, immer an die jeweilige körperliche Konstitution des Erkrankten angepasst. Der positive Effekt einer Gewichtsabnahme für an Fettleibigkeit erkrankte ist enorm. Durch das Absinken des Cholesterinspiegels reduziert sich gleichzeitig das Erkrankungsrisiko für Koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, Arteriosklerose und Zuckerkrankheit.

Für die Folgeernährung nach der Gewichtsreduktion ist ein Lebens- und Ernährungsplan einzuhalten, der den Fettanteil in der Nahrung auf 20-25% begrenzt und ein moderates Bewegungsprogramm für den Alltag beinhaltet. Sollte die Gewichtsreduktion allein durch Diät und Bewegung nicht gelingen, können Medikamentengaben erforderlich werden, die aber nur bei sehr schweren Adipositas-Erkrankungen und hohen Risikofaktoren verabreicht werden sollten. Eine dauerhafte medikamentöse Behandlung ist nur sinnvoll, wenn in den ersten 14 Tagen bereits eine Gewichtsabnahme von mindestens zwei Kilo erfolgt. Bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas sollten Medikamente möglichst gar nicht angewandt werden. Relevante Medikamente können Fettaufnahmehemmer und selektiver Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer sein. Wenn die Adipositas extreme Formen annimmt und ein BMI von über 40 vorliegt, können eine chirurgische Magen-, bzw. Mageneingangsverkleinerung oder eine Darmoperation zu erwogen werden. Die Fettabsaugung ist für Adipositas-Erkrankte nicht geeignet.

Die größte Gefahr therapierter Adipositas-Erkrankter liegt im Eintreten des so genannten Jo-Jo-Effektes. Nach der erfolgreichen Abnahme werden die alten Essgewohnheiten wieder aufgenommen und das Gewicht steigt wieder an und wird oft noch höher als zuvor. Die dauerhafte Erfolgsquote bei der Therapie von Fettleibigkeit liegt bei einem Drittel. Um das Gewicht durch veränderte Ess- und Lebensgewohnheiten zu halten, sind Motivation und Konsequenz erforderlich. Nicht nur für ehemalige Adipositas-Patienten gelten folgende Ernährungsregeln und Bewegungsempfehlungen zur Erhaltung eines Normalgewichtes:

  • Fettarme und ballaststoffreich essen
  • Snacks, Fast Food, zuckerhaltige Getränke und Alkohol möglichst vermeiden
  • Regelmäßiges Ausdauertraining

Wichtiger Aspekt einer dauerhaften Ernährungsumstellung ist eine behutsame aber langfristige Umstellung der Ernährung. Blitzdiäten, nach denen die alten Essgewohnheiten wieder aufgenommen werden, schaden mehr, als das sie nützen. Wichtig ist, weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, wobei sich das weniger auf den Energiegehalt und nicht auf die Masse an sich bezieht. Mehr bewegen heißt nicht, von einem Tag auf den anderen zum Hochleistungssportler zu mutieren, sondern gemäß eigener Vorlieben und eigener körperlicher Konstitution seinen Körper zu trainieren und die Ausdauer zu vergrößern. Moderate Vorgehensweise in beiden Fällen führt am ehesten langfristig zum gewünschten Ergebnis.



Autoren & Experte:
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. Hermann Eichstädt, Berlin. Facharzt Innere Medizin & Kardiologie, Lebenszeitprofessor i.R. der Charité Berlin. Geschäftsführender Vorstand der Berlin- brandenburgischen Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen e.V.
Journalist: Horst K. Berghäuser
Heilpraktiker: Felix Teske

Literatur, Quellen und Verweise:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin
Thieme Verlag
Praktische Labordiagnostik - Lehrbuch zur Laboratoriumsmedizin, klinischen Chemie und Hämatologie
Grönemeyers Buch der Gesundheit
Hallesche Krankenversicherung

Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 18.03.2019 statt.


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