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Zwölffingerdarmgeschwür

Zwölffingerdarmgeschwür

Das Zwölffingerdarmgeschwür – Ulcus duodeni in der verletzten Darmschleimhaut

Von einem Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) spricht man, wenn in der Schleimhaut, die die Darmhaut auskleidet eine Verletzung, die weiter bis in die umliegenden Muskelschichten reichen kann. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird sowohl für ein Geschwür im Zwölffingerdarm als auch ein Geschwür im Magen der Begriff Magengeschwür benutzt. Das Zwölffingerdarmgeschwür kommt insgesamt dreimal so oft wie ein Magengeschwür vor und betrifft Männer häufiger als Frauen. Die Schleimhaut, die den Zwölffingerdarm auskleidet, dient dem Schutz der dahinterliegenden Darmwand vor der aggressiven hochkonzentrierten Magensäure. Sie ist alkalisch und neutralisiert damit die Magensäure im Bereich der Darmwände. Durch verschiedene Auslöser kann Konzentration und Menge (Hypersekretion) der Magensäure soweit ansteigen, dass sie die schützende Schleimhaut durchdringt. Andersherum kann die Schleimhaut geschwächt werden und so der Magensäure keinen Widerstand mehr entgegenbringen.

Ursache für ein Zwölffingerdarmgeschwür sind Infektionen

Der Hauptauslöser eines Zwölffingerdarmgeschwürs ist eine Helicobacter-Infektion. Das verursachende Bakterium Helicobacter pylori ist einer von nur wenigen Erregern, die durch die Magensäure nicht zerstört werden. Er überlebt durch Bildung des Enzyms Urease und schafft ein alkalisches Niveau, das das Gleichgewicht zwischen Magensäure und Schleimhaut stört. 99% aller an einem Zwölffingerdarmgeschwür erkrankten haben dieses Bakterium nachweislich im Darm. Im Zuge der Infektion kommt es zu einer chronischen Entzündung der Schleimhaut. Die Säureproduktion steigt an und die schützenden Faktoren der Schleimhaut werden schwächer. Als Resultat wird die Darmwand angegriffen und es entsteht ein Geschwür, das immer tiefer in die Muskulatur eindringt und nach und nach immer größer wird.

Das Vorhandensein eines Helicobacter pylori führt jedoch nicht zwangsläufig zu einem Zwölffingerdarmgeschwür, ebenso wie ein Geschwür auch in Einzelfällen ohne Nachweis es Bakteriums entstehen kann. Das Bakterium bereitet sozusagen den Boden und wenn dann andere schädigende Einflüsse wie zum Beispiel Rauchen oder die lange und hochdosierte Einnahme von Schmerzmitteln (Acetylsalicylsäure) oder Kortikosteroiden dazukommt, wird die Entstehung eines Zwölffingerdarmgeschwürs begünstigt. Weitere Gründe für die Bildung eines Geschwürs können in seltenen Fällen Stoffwechselerkrankungen, genetische Faktoren, insbesondere Träger der Blutgruppe 0, sowie Operationen, Unfälle oder Verbrennungen sein. In den letzten drei Fällen spricht man vom sogenannten Stressulkus. Auch andere Stressauslöser können die Entstehung eines Zwölffingerdarmgeschwürs begünstigen. Psychischer Stress und Depressionen verstärken die Symptome und die Häufigkeit der Erkrankung ist bei dieser Personengruppe größer.

Welche Symptome bringt ein Zwölffingerdarmgeschwür mit sich?

Die Symptome des Zwölffingerdarmgeschwürs sind eher unspezifisch. Schmerzen im Oberbauch, vor allem im Bereich zwischen Nabel und der Mitte des rechten Rippenbogens, die vor allem nachts und bei Nüchternheit auftreten, sind mit die am häufigsten genannten Symptome. Die Aufnahme von Nahrung lindert die Beschwerden manchmal vorübergehend. Hinzu kommen Druck- und Völlegefühle, die ebenfalls im Oberbauch auftreten, Aufstoßen, Blähungen, Übelkeit, teilweise mit Erbrechen und Gewichtsverlust. Stresssituationen, Kaffee und Nikotin verstärken oft die Beschwerden. Problematisch ist die Symptomatik bei Patienten, die regelmäßig Schmerzmittel einnehmen. Einerseits wird das Zwölffingerdarmgeschwür spät entdeckt, da die Symptome von den Schmerzmitteln unterdrückt werden, andererseits begünstigen gerade die Schmerzmittel die Entwicklung des Geschwürs.

Komplikationen im Bereich der Erkrankung treten meist in Form von Blutungen auf, die am schwarzen Stuhl, dem so genannten Teerstuhl ersichtlich werden. Nehmen die Blutungen an Stärke zu, kann es auch zum Erbrechen von Blut kommen. Selten kommt es zu einem Geschwürdurchbruch, bei dem ein Loch in der Darmwand entsteht, durch das Nahrung und Magensäure in die Bauchhöhle gelangen und zu einer Bauchfellentzündung führen, die extrem starke Schmerzen im Bauchraum verursacht. Ein Gefahrenpotential des Zwölffingerdarmgeschwürs liegt in seiner Neigung in benachbarte Organe einzudringen und dort Fisteln zu bilden, die zu einer starken Schmerzentwicklung führen und bei einer in Mitleidenschaft gezogenen Bauchspeicherldrüse zur Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) führen können.

Diagnose eines Zwölffingerdarmgeschwürs beim Facharzt

Bei der Anamnese des Erkrankten werden bereits die ersten Hinweise auf ein Zwölffingerdarmgeschwür gegeben. Um den Verdacht zu erhärten, bietet sich die Durchführung einer Magenspiegelung durch, bei der neben dem Magen auch Speiseröhre und Zwölffingerdarm untersucht werden. Eine im Zuge der Untersuchung entnommene Gewebeprobe wird per Schnelltest auf das Vorhandensein von Helicobacter Bakterien getestet. Gleichzeitig wird das Gewebe auf das Vorhandensein von malignen Zellen getestet. Weitere Untersuchungsmethoden sind Ultraschall, Röntgenaufnahmen und Bluttest, die zum Ausschließen anderer Ursachen dienen. Um explizit den Helicobacter pylori nachzuweisen, wird eine Bluttiterbestimmung durchgeführt. Weitere Methoden sind ein Harnstoff-Atemtest, bei dem der Anteil des Harnstoffs im Ausatem bestimmt wird. Bakterienkulturen sind ebenso ein hilfreiches Mittel, um eine Infektion mit Helicobacter pylori nachzuweisen.

Therapeutische Behandlung eines Zwölffingerdarmgeschwürs

In welcher Form das Zwölffingerdarmgeschwür therapeutisch behandelt wird, ist in erster Linie vom Vorhandensein des Helicobacter Bakteriums abhängig. Ist der Erreger nachgewiesen, erfolgt die Behandlung medikamentös mittels einer Kombination aus Antibiotika und Medikamenten, die die Säureproduktion hemmen, zum Beispiel Protonenpumpenhemmer und H2-Antihistaminika. Wird das Bakterium nicht nachgewiesen, werden lediglich säurehemmende Medikamente verabreicht, da durch die verminderte Säureproduktion das Geschwür dann in der Regel von selbst ausheilt.

Der Konsum von belastenden Nahrungs- und Genussmitteln wie Kaffee, Nikotin, Alkohol, scharfes und fettes Essen muss weitgehend eingeschränkt und zum Teil vorübergehend vollständig vermieden werden. Der Umgang mit Stress sollte analysiert werden und die Betroffenen müssen geeignete, weniger belastende Verhaltensstrategien entwickeln. Hilfreich für den Stressabbau kann die Anwendung von autogenem Training und progressiver Muskelentspannung sein. Medikamente, die die Schleimhaut belasten und schädigen, wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure, sollten abgesetzt werden.

Wenn das Zwölffingerdarmgeschwür abgeheilt ist, ist die Gefahr einer erneuten Infektion mit Helicobacter pylori gering. Der Konsum von Alkohol, Nikotin und Acetylsalicylsäure sollte jedoch weiterhin vermieden werden, um ein Wiederauftreten des Zwölffingerdarmgeschwürs zu vermeiden. Bei Betroffenen, bei denen immer neue Geschwüre auftreten, kann eine medikamentöse prophylaktische Behandlung angezeigt sein. Protonenpumpenhemmer oder H2-Rezeptorenblocker in moderater Dosis. Eine prophylaktische Behandlung ist auch für Personen mit gelenkrheumatischen Erkrankungen, die langfristig nicht-steroidale Antirheumatika einnehmen, sinnvoll, da diese zur Risikogruppe für die Bildung von Zwölffingerdarmgeschwüren gehören.

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Autoren & Experte:
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. Hermann Eichstädt, Berlin. Facharzt Innere Medizin & Kardiologie, Lebenszeitprofessor i.R. der Charité Berlin. Geschäftsführender Vorstand der Berlin- brandenburgischen Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen e.V.
Journalist: Horst K. Berghäuser
Heilpraktiker: Felix Teske

Literatur, Quellen und Verweise:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin
Thieme Verlag
Praktische Labordiagnostik - Lehrbuch zur Laboratoriumsmedizin, klinischen Chemie und Hämatologie
Grönemeyers Buch der Gesundheit
Hallesche Krankenversicherung

Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 18.03.2019 statt.


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