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Speiseröhrenkrebs

Speiseröhrenkrebs

Speiseröhrenkrebs – Das Ösophaguskarzinom beim Menschen

Unter Speiseröhrenkrebs versteht man eine bösartige Zellwucherung. Meist ist das Ausgangsgewebe die Schleimhaut in der Speiseröhre. Diese eher seltene Erkrankung wird in den meisten Fällen durch die Kombination von hochprozentigem Alkohol und Tabakrauch ausgelöst und tritt gehäuft bei Menschen im Alter zwischen 50 und 60 auf. 2% der Männer und 0,5% der Frauen dieser Altersgruppe erkranken an Speiseröhrenkrebs oder Ösophaguskarzinom. Aufgrund der Dehnbarkeit der Speiseröhre wird die Erkrankung meist spät diagnostiziert, da sich die Symptome unter anderem Schluckbeschwerden und Gewichtsabnahme erst zeigen, wenn die Speiseröhre bereits stark zugewuchert ist. Vom Speiseröhrenkrebs ausgehend, können sich Metastasen vor allem in den Lymphknoten, aber auch in Leber, Lunge, Knochen oder Gehirn bilden.

Welche Einflüsse begünstigen den Speiseröhrenkrebs?

Die Ursachen des Speiseröhrenkrebses sind nicht genau definierbar. Durch die Anamnese der Erkrankten konnten jedoch verschiedene Risikofaktoren herausgearbeitet werden. An erster Stelle stehen hierbei Alkohol und Rauchen, vor allem in ihrer Kombination, heiße Getränke, scharfes Essen, krebserregende Giftstoffe wie Nitrosamine und Aflatoxine, Betelnüsse und das Barrettsyndrom, eine krankhafte Veränderung der unteren Speiseröhrenschleimhaut, begünstigen die Bildung eines Ösophaguskarzinoms. Weiterer Risikofaktor kann eine zu fettreiche Ernährung und eine daraus resultierende Reflux-Krankheit sein, die in fortgeschrittenem Stadium ebenfalls Speiseröhrenkrebs auslösen kann. Die Schulmedizin unterscheidet zwischen zwei Arten von Speiseröhrenkrebs. Beim Plattenepithelkarzinom kommt es zu einer bösartigen Neubildung der Schleimhaut, die die Speiseröhre schützt, das Adenokarzinom ist durch eine bösartige Wucherung des Drüsengewebes gekennzeichnet.

Symptome

Die Symptome des Speiseröhrenkrebses treten erst bei einer bereits fortgeschrittenen Erkrankung auf. Dies ist typisch für die meisten Krebsarten. Erste Anzeichen sind eher unspezifische Symptome: Ein Druckgefühl hinter dem Brustbein, das durch einen Nahrungsstau in der Speiseröhre vor dem Tumor entsteht, häufiges Sodbrennen, Würgereiz beim Schlucken von Nahrung und in seltenem Falle das Erbrechen von Blut. Es kann zu schmerzhaften Krämpfen der Speiseröhre kommen. Bei 20% der an einem Ösophaguskarzinom erkrankten kommt es zu Schmerzen beim Schlucken.

Geht der Betroffene mit diesen Symptomen zum Arzt, werden verschiedene diagnostische Maßnahmen ergriffen. Als erstes erfolgt in der Regel eine Ösophagoskopie, eine Spiegelung der Speiseröhre, mittels einer Biopsie wird Speiseröhrengewebe auf seine Bösartigkeit untersucht. Auch eine Röntgenuntersuchung bei der Kontrastmittel eingesetzt wird, macht ein Ösophaguskarzinom sichtbar. Ist der Speiseröhrenkrebs zweifelsfrei diagnostiziert wird mit Hilfe von Ultraschall, Computertomografie oder Kernspintomografie die Ausbreitung des Karzinoms ermittelt. Ein weiteres Diagnoseverfahren ist die Endosonografie, bei dieser speziellen Ultraschalluntersuchung wird der Ultraschallkopf in die Speiseröhre eingeführt, wodurch sehr genaue Informationen über den Speiseröhrenkrebs ermittelt werden können. Der diagnostizierte Speiseröhrenkrebs wird je nach feingeweblicher Struktur und Ausbreitung in verschiedene Stadien eingeteilt (Staging).

Hierbei wird der Primärtumor in Zusammenhang mit seinem Hineinreichen in die Speiseröhrenwand, mit den befallenen Lymphknoten und dem Befall von anderen Organen (Fernmetastasen) in der TNM-Klassifikation eingeteilt. Hierbei stehen „T“ für den Primärtumor, „N“ für den Lymphknotenbefall und „M“ für den Befall mit Fernmetastasen. Anhand verschiedener Indizierungen wird das aktuelle Stadium festgelegt.

Therapie bei Speiseröhrenkrebs – langfristig und erfolgreich?

Abhängig von der Ausbreitung des Speiseröhrenkrebses kommen verschiedene Therapieformen in Frage. Grundsätzlich ist die operative Entfernung des Karzinoms die einzige Möglichkeit einer vollständigen Ausheilung und wird bei 40 bis 60 Prozent der Erkrankungen durchgeführt. Bei der Operation, der so genannten transthorakalen Ösophagektomie, werden Brustkorb und Bauch geöffnet und die Speiseröhre und die umgebenden Lymphknoten werden entfernt. Um die Speiseröhre zu ersetzen, wird ein so genannter Magenhochzug durchgeführt und der Magen übernimmt die Funktion der Speiseröhre.

Wenn das Karzinom am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen anliegt, kann auch eine teilweise oder vollständige Entfernung des Magens nötig werden. Alternativ zum Magenhochzug kann die Speiseröhre, wenn eine Entfernung im oberen Bereiche erforderlich ist, durch ein Stück Dünndarm ersetzt werden. Bei einer frühen Diagnose, wenn nur die Schleimhautschichten der Speiseröhre betroffen sind, kann auch eine endoskopische Tumorentfernung in Erwägung gezogen werden. Eine vollständige Entfernung der Speiseröhre kann bereits zur vollständigen Ausheilung des Karzinoms führen. Sollte der Speiseröhrenkrebs jedoch nicht vollständig operativ entfernt worden sein, wird im Anschluss an den Eingriff eine Chemotherapie oder eine Strahlenbehandlung erforderlich. Die Strahlentherapie wird bei Speiseröhrenkrebs meist sehr erfolgreich eingesetzt, die Ergebnisse sind vom Stadium des Tumors abhängig. Je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Im fortgeschrittenen Stadium des Tumors kann die Strahlenbehandlung nur noch der Linderung dienen. Nebenwirkungen der Strahlentherapie können Reizungen der Speiseröhre und Fistelbildung und Durchlässigkeiten zur Speiseröhre sein, die durch absterbendes Gewebe hervorgerufen werden, diese Reaktion kann Lungenentzündung verursachen.

Eine Sonderform der Strahlenbehandlung ist die Brachytherapie, bei der durch einen dünnen, in die Speiseröhre eingeführten Schlauch, der Tumor direkt mit einer sehr kleinen radioaktiven Strahlenquelle kontaminiert wird. Bei großen Tumoren kann zusätzlich eine Chemotherapie durchgeführt werden. Die so genannte Radiochemotherapie wird meist angewandt, um den Tumor vor der Operation zu verkleinern, kann aber in einzelnen Fällen auch eine Heilung ohne Operation verursachen. Bei ungünstiger Lage behindert der Speiseröhrenkrebs das Schlucken und somit die Nahrungsaufnahme. Durch die Lasertherapie können derartige Karzinome „aus dem Weg geschafft“ werden. Zu beachten ist hierbei, dass nur die Tumoroberfläche erreicht wird. Der Krebs wächst wieder nach, so dass die Lasertherapie regelmäßig wiederholt werden muss. Die photodynamische Therapie und der Stent sind Methoden, die im Einzelfall hilfreich sein können. Wenn die Nahrungsaufnahme durch massive Schluckbeschwerden für den Betroffenen unerträglich wird, kann mittels perkutanen endoskopischen Gastrotomie (PEG) eine künstliche Ernährung über einen Schlauch durch die Bauchdecke durchgeführt werden. Die Flüssignahrung kann vom Erkrankten selbst eingefüllt werden.

Allgemeiner Krankheitsverlauf bei Speiseröhrenkrebs

Obwohl die Heilungschancen beim Speiseröhrenkrebs im Frühstadium gut sind, ist die durchschnittliche Prognose für eine Heilung schlecht. Grund hierfür ist die lange Beschwerdefreiheit und die damit verbundene späte Diagnose. Im fortgeschrittenen Stadium sinken die Heilungschancen drastisch, so dass die sogenannte Fünf-Jahres-Überlebensrate unter 10% liegt. Nach einem therapierten Speiseröhrenkrebs sollte sich die Nachsorge nach evtl. wiederauftretenden Beschwerden wie zum Beispiel Schwierigkeiten beim Schlucken konzentrieren. Vorbeugende Maßnahmen gegen Speiseröhrenkrebs sind die Vermeidung der anfangs genannten Risikofaktoren. Chronisches Sodbrennen und das Barrett-Syndrom sollten frühzeitig und nachhaltig behandelt werden. Hier ist auch eine regelmäßige Kontrolle der Speiseröhre ratsam, um einen Tumor bereits im frühen Stadium bzw. in der Vorstufe zu entdecken und zu therapieren.



Autoren & Experte:
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. Hermann Eichstädt, Berlin. Facharzt Innere Medizin & Kardiologie, Lebenszeitprofessor i.R. der Charité Berlin. Geschäftsführender Vorstand der Berlin- brandenburgischen Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen e.V.
Journalist: Horst K. Berghäuser
Heilpraktiker: Felix Teske

Literatur, Quellen und Verweise:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin
Thieme Verlag
Praktische Labordiagnostik - Lehrbuch zur Laboratoriumsmedizin, klinischen Chemie und Hämatologie
Grönemeyers Buch der Gesundheit
Hallesche Krankenversicherung

Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 18.03.2019 statt.


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